20. Juli 2026. Draußen sind 14 Grad.
Ich sitze hier in Socken, langer Hose, T-Shirt, Cardigan und einer dicken Strickjacke. Im Juli. Das Wetter scheint inzwischen komplett einen an der Waffel zu haben.
Nach gefühlt acht Monaten Winter wurde es plötzlich brüllend heiß, dann wieder kalt, dann wieder heiß. Zwischendurch standen hier 41 Grad auf dem Thermometer. Und jetzt? Wieder Regen und Temperaturen, bei denen man sich fragt, ob der Kalender vielleicht heimlich auf Oktober umgesprungen ist. Immerhin freut sich die Natur über den Regen – irgendwer muss ja etwas davon haben. Langweilig war es in den letzten Wochen trotzdem nicht.
Die Frau bestellte sich eine Photovoltaikanlage samt kleinem Speicher. Also hieß es: Ärmel hochkrempeln und aufbauen.




Erstaunlicherweise ging das Ganze ziemlich entspannt über die Bühne. Nach zwei Tagen war alles erledigt. Gut, zwischendurch musste noch irgendein Strauch dran glauben, weil er sonst die Solarmodule verschattet hätte. Natürlich genau bei über 30 Grad. Wäre ja auch zu einfach gewesen.


Kaum war das geschafft, fragte ein Nachbar um Hilfe. Bandscheibenvorfall. Selbst laufen fällt ihm schwer, also half ich ihm, die baugleiche Anlage aufs Dach zu bekommen.

Danach war bei mir allerdings Feierabend.
Körperlich völlig platt und im Kopf genauso leer habe ich vergangenen Dienstag beschlossen, einfach mal einen Gang zurückzuschalten. Der Garten läuft schließlich nicht weg. Zumindest hoffe ich das.
Dem Garten merkt man das Wetter übrigens genauso an wie uns. Alles kämpft irgendwie mit diesem ewigen Hin und Her. Mal zu heiß, mal zu kalt, mal zu nass, mal wieder staubtrocken. Blätter werden gelb, manches sieht irgendwie seltsam aus. Aber ändern können wir daran sowieso nichts.


Nachfolgend ein paar Eindrücke aus dem Garten:






Was mir allerdings schon seit Monaten fehlt, ist etwas ganz anderes.
Ich bin jeden Tag stundenlang draußen. Irgendwann fiel mir auf, dass etwas nicht stimmt. Es war zu still.
Heute, unterwegs mit dem Auto, standen sie plötzlich auf einem Feld: zwei Kraniche.
Ich habe mich ehrlich gefreut.
Normalerweise sind sie hier jedes Jahr überall zu sehen. Auf fast jedem Feld stehen sie herum oder ziehen laut rufend über unsere Köpfe hinweg. Dieses Jahr? Fast nichts. Wahrscheinlich hat die Vogelpest vom vergangenen Jahr viele Tiere auf ihrem Rückflug erwischt.
Für mich sind Kraniche die Trompeten der Lüfte. Dieses unverwechselbare Rufen gehört für mich einfach zum Frühjahr. Eigentlich kommen sie schon im Februar oder März zurück und kündigen an, dass der Winter endlich vorbei ist.
Dieses Jahr fehlte genau dieses Geräusch.
Man merkt erst, wie sehr etwas dazugehört, wenn es plötzlich nicht mehr da ist.
Der Lavendel steht inzwischen in voller Blüte. Eigentlich müsste ich ihn langsam zurückschneiden, damit er noch ein zweites Mal blüht. Aber seit Wochen herrscht dort Hochbetrieb. Bienen und Hummeln arbeiten vom frühen Morgen bis zum Abend jede einzelne Blüte ab.
Da bringt man es einfach nicht übers Herz, zur Schere zu greifen.
Also dürfen sie noch ein bisschen bleiben. Die zweite Blüte muss eben warten.


Der Sommer 2026 in Brandenburg zeigt einmal mehr, wie stark Wetterextreme unseren Alltag und den Garten beeinflussen. Zwischen Hitze, Regen und kühlen Temperaturen passt sich die Natur an – manchmal besser als wir Menschen. Umso wichtiger sind die kleinen Momente, wenn Kraniche, Bienen oder die zweite Rosenblüte daran erinnern, wie schön unsere Landschaft trotzdem ist.
